„Auf den Spuren von Laurent Menager“ Chorreise des FSB – Männerchores vom 18.-20.10.19 nach Luxemburg Laurent Menager (1835–1902) war ein hoch engagierter Komponist und Chorleiter am Ende des 19ten Jahrhunderts in Luxemburg. Im Laufe der Zeit ist sein Werk in Vergessenheit geraten. Es diesem Vergessen zu entreißen war die Motivation für eine 20-jährige Forschungsarbeit von Herrn Prof. Dr. Friedhelm Brusniak von der Universität Würzburg. In wissenschaftlicher Zusammenarbeit mit Prof. Damien Sagrillo und Alain Nitschké von der Universität Luxemburg bestand das Ziel der Forschung darin, eine wissenschaftlich aufbereitete Gesamtausgabe der Werke Laurent Menagers zu erarbeiten. Mit der Veröffentlichung von Band 2 „Messen für Männerchor“ mit den Herausgebern Alain Nitschké und Damien Sagrillo im Merseburger Verlag (2013) war ein wesentlicher Schritt erreicht. Für den Männerchor des FSB unter seinem Gründungschorleiter Hermann Freibott war es eine Ehre, eines dieser Werke, die Messe in d-Moll op. 22 als Fortsetzung der Konzertreise 2018 nach Speyer nun mit einer Reise an die Wirkungsstätte von Menager nach Luxemburg in klingende Musik zu überführen (18. 20.10.2019). Dabei stand die Aufführung der oben genannten Messe in der Eglise St. Martin in Schifflingen (Schifflange) am 19.10.2019 in der Vorabendmesse und am 20.10.2019 die Gestaltung des Hauptgottesdienstes im Dom zu Luxemburg im musikalischen Zentrum. Gemeinsam mit dem dortigen Chorale Municipale Schifflange unter seinem Präsidenten Gilbert Gliedner wurde darüber hinaus am 19.10.2019 eine musikalische Soiree im Rathaussaal von Schifflange gestaltet und dabei weltliche Chorwerke für Männerchor a cappella des Luxemburger Komponisten aufgeführt. Bemerkenswert waren zwei vorgetragene Solo - Werke aus dem Schaffen Menagers für Bariton und Klavier durch Christophe Bornet, Bariton und Daniel Lang, Klavier. Im Rahmen dieses Festabends wurde von Herrn Prof. Sagrillo ein neuer Band mit weltlichen Männerchor- Werken vom Komponisten Menager angekündigt, dessen Veröffentlichung im Frühjahr 2020 erwartet wird. Die wissenschaftliche Mitarbeiterin der Uni Luxemburg Caroline Reuter gab einen Einblick in die Methodik der wissenschaftlichen Aufbereitung der Werke Menagers aus den vielfältigen Quellen. Ein besonderer Höhepunkt dieses Abends war der Vortrag vom Präsidenten des FSB, Herrn Prof. Dr. Brusniak zur historischen Einordnung des Wirkens von Laurent Menager in der Chorbewegung der 1860er Jahre im deutschsprachigen Raum. Gewissermaßen als musikalisches „Gastgeschenk“ aus Franken wurden vom FSB Männerchor an diesem Abend die Chorsätze „Ständchen“ op. 50 Nr. 1 und „Lied fahrender Schüler“, besser bekannt unter dem Textanfang „Wohlauf die Luft geht frisch und rein“, landläufig als „Frankenlied“ bezeichnet, vorgetragen. Bemerkenswert ist, dass dieses Lied in der originalen Melodiefassung von Valentin Eduard Becker (1840- 1890) gesungen wurde. V. Becker ist ein Zeitgenosse von L. Menager. Beide haben sich intensiv für die Förderung des Chorgesanges im deutschsprachigen Raum eingesetzt. Neben dem musikalischen Programm hatte der Chor natürlich die Gelegenheit, touristische Highlights zu besuchen. So konnte am 18.10. das Weltkulturerbe der Völklinger Hütte im Saarland in einem Kurzbesuch kennen gelernt werden. Natürlich rundete die Stadtführung durch die eindrucksvolle Altstadt von Luxemburg mit Herrn Gliedner als kompetentem Reiseführer dieses Kulturprogramm ab. Der Komponist Laurent Menager in seiner Zeit Ein Kurzüberblick Die vom FSB Männerchor einstudierte Messe in d-Moll wurde von Laurent Menager als op. 22 im Jahre 1868 komponiert. Seine frühere Messe G-Dur, op.20 für Männerchor und Orgel erschien 1865. Weitere Messen folgten 1892 und 1895. Diese wenigen Zeitangaben motivieren, einen Blick zurück in die musikalische Chorwelt der 1860er Jahre zu werfen, wie Herr Prof. Brusniak in seinem Vortrag eindrucksvoll verdeutlichte: Im September 1862 wurde in Coburg der Deutsche Sängerbund gegründet und in Leipzig erschien „Die Sängerhalle. Allgemeine Deutsche Gesangvereinszeitung für das In- und Ausland“. Diese fand Verbreitung in Europa und bis nach Amerika hinein. Hiermit war ein Forum entstanden, welches einen internationalen Gedankenaustausch ermöglichte und über den Abdruck von Chorwerken auch eine Präsentation von Neuerscheinungen bot. Auch für Liedkompositionen von Menager war damit eine Plattform über die Grenzen von Luxemburg hinaus gegeben. Bereits in den 1850er Jahren hatte sich eine sehr aktive Chorszene mit namhaften Komponistenpersönlichkeiten etabliert. So sind beispielhaft Franz Abt (1819–1885) und Ferdinand von Hiller (1811–1885) zu nennen. Bei Hiller hatte Menager 1855 in Köln studiert und konnte als Abschlussarbeit 1860 sein Streichquartett op. 1 veröffentlichen. Es war eine fruchtbare Zeit für die Entwicklung des weltlichen Chorgesanges und auch der Kirchenmusik gewissermaßen in der „Schülergeneration“ der „Großen“, wie zum Beispiel Mendelssohn Bartholdy (1809- 1847) und Robert Schumann (1810–1856) So werden wir mit Blick auf die Männerchorliteratur als Ergänzung zu den Messvertonungen mit Spannung die Veröffentlichung des angekündigten Bandes mit der weltlichen Chormusik von Menager erwarten. Im Oktober 2019 Christof Meier 2. Vorstand des FSB Männerchores
Dom zu Luxemburg